Lilly unter den Linden
Premiere: 01.10.2009
Vorstellungsinfos
Weiter Informationen
Vorstellungen bis zum 15.11.2009
immer DO/FR/SA/SO um 20 Uhr
im Theater an der Liebigstraße
Verlängerung möglich.
Aufführungsdauer ca. 90 Minuten, keine Pause
Schulklassen und Kurse können das Stück zu besonderen Konditionen buchen
oder die Inszenierung in die Schule holen.(geeignet ab Klasse 7)
Kartenbestellung
- Telefon 0241 / 16 16 88
- Telefon 0241 / 2 80 08
Mögliche Vorstellungstermine im DAS DA THEATER:
Vom 06.10.2009 bis zum 11.11.2009
immer dienstags bis freitags.
Mögliche Vorstellungstermine in Ihrer Schulaula oder Turnhalle:
Vom 24.11.2009 bis zum 09.06.2010
immer dienstags bis freitags.
Fragen und Buchungen
Di – Fr von 12.30 – 14.30 Uhr unter Telefon: 0241 / 16 18 55.
Preise für mobile Vorstellungen auf Anfrage
| Vorverkauf | |
|---|---|
| Offiziell | 08.09.2009 |
| Abo & Förderkreis | 04.08.2009 |
| Preise | |
|---|---|
| Vollzahler | Ermäßigt |
| 18€ | 12€ |
Kartenbestellung
Lilly unter den Linden
von Anne C. Voorhoeve nach ihrem gleichnamigen Roman
Schauspiel
„Lilly unter den Linden“ ist ein berührendes Stück über die deutsch-deutsche Vergangenheit, über die politische und private Dimension der deutschen Teilung bis 1989.
„Du kannst zum Zuckerhut fliegen, aber zu deinen eigenen Leuten kannst du nicht. Fang bloß niemals an, das normal zu finden.“
Dies bekommt Lilly von ihrer Mutter Rita immer wieder eingeschärft. Rita ist als junges Mädchen aus der DDR geflohen, ihre Tochter Lilly hat ihre Familie dort nie kennengelernt.
Als Rita stirbt, steht Lilly plötzlich ganz alleine da. Allmählich reift in dem Mädchen ein verrückter Plan: Wenn ihre Familie nicht zu ihr kommen kann, dann muss sie eben zu ihrer Familie gehen – und die lebt nun mal in der DDR.
Lilly beginnt, die umgekehrte Republikflucht vorzubereiten.
Kritik
«Lilly unter den Linden» begeistert im DAS DA THEATER
Passend zum Jahr des Mauerfalls und zum Tag der deutschen Einheit: «Lilly unter den Linden», das Theaterstück von Anne C. Voorhoeve nach ihrem gleichnamigen Roman, ist ein Stück, das sich besonders für Jugendliche eignet.
Denn im Mittelpunkt steht die 13-jährige Lilly, die in Hamburg aufwächst, weil ihre Mutter Rita in den siebziger Jahren aus der DDR geflohen ist. Der Liebe zum Hamburger Jochen wegen – Lilly ist das Kind dieser Liebe. Man schreibt das Jahr 1988, ein Jahr vor dem Mauerfall.
Schwarz-rot-gold leuchtet das Bühnenbild (Frank Rommerskirchen). Ein «Drahtkäfig» kann zum offenen Gatter aufgeklappt werden. Das Publikum im Aachener DAS DA THEATER erlebt hautnah mit, wie elend Lillys Mutter ihrem Krebsleiden erliegt – die sterbende Rita (Franziska Holitschke) entsetzt ihren Lebensgefährten, den Fotografen Pascal (Mike Kühne), der nur wenig für die verzweifelte Tochter tun kann.
Recht kolportagehaft kommt das von Tom Hirtz inszenierte Stück zuweilen daher, was aber von den guten Akteuren buchstäblich «überspielt» wird.
Ina Pappert als Lilly lässt die Zerbrechlichkeit wie auch die Kraft des Mädchens zwischen Kind- und Frausein spürbar werden.
In einem inneren Zwiegespräch mit der toten Mutter geht sie deren Lebensspuren nach: Nach dem tödlichen Unfall der Eltern lebt Rita mit der älteren Schwester Lena (Karen Lauenstein) zusammen – in Jena, wo sich um die junge Lehrerin Lena ein «Lesekreis» gebildet hat. Längst noch keine Dissidenten, wollen die jungen Leute aber Westmagazine und eigentlich «verbotene» Bücher lesen.
Und schon zeigen sich Unterschiede: Der überzeugte Kommunist Bernd (Mike Kühne) heuert bei der Stasi an, die junge Rita ist an Ausbildung und Politik völlig desinteressiert, während Lena und Rolf, ihr späterer Mann (Jens Eisenbeiser), viele Themen weltoffen diskutieren. Christine Barth ist als Jugendamtsfrau, Peggy und Pflegerin zu sehen.
Zeitsprünge und Garderobewechsel treiben die Handlung voran, der man allerdings genau folgen muss. Als die 13-jährige Lilly zu Pflegeeltern gegeben werden soll, flüchtet sie – wie einst ihre Mutter – von einer Republik in die andere. Zunächst nach Berlin, wo ihre Mutter sich mit dem Liebsten «Unter den Linden» traf, und dann nach Jena, wo Tante Lena mit ihrer Familie lebt.
Viel Gefühl bis ins Triviale wird hier offenbar, aber auch sehr berührende Momente entstehen, als Lena über ihren Gefängnisaufenthalt (wegen Beihilfe zur Republikflucht damals) spricht. Ihre Tochter Katrin wurde der Familie entzogen, erst nach drei Jahren darf das verstörte Kind zurückkehren.
Die Mauer scheint allgegenwärtig, das geteilte Land hinterlässt zerrissene Bindungen und verletzte Seelen. Doch für Lilly und ihre Angehörigen schimmert so etwas wie Heilung auf.
Ein starker Schluss, starker Applaus.
Aachener Zeitung / Aachener Nachrichten 03.10.2009